Notgeld-Ausstellung im Neuen Markt

erstellt am 27.10.2021

Notgeld – dieses Wort erweckt bei vielen Menschen eine ganze Reihe von meist schlechten Erinnerungen: Krieg, Notzeiten, Geldmangel, Lebensmittelnot, Hamsterfahrten auf das Land, Inflation, riesige Mengen von wertlosem Geld und kein ausreichendes Warenangebot.

Die Generation, die diese Notgeldzeit nach Ende des 1. Weltkrieges mitgemacht hat, diese Leute leben schon lange nicht mehr, oder wären heute schon über 100 Jahre alt, so der 1. Vorsitzende des Münzverein Neumarkt, Andreas Meyer.

Der Münzverein Neumarkt zeigt täglich von 10.00 bis 19.00 Uhr im Foyer des Neuen Marktes bis einschließlich 13. November eine Notgeldausstellung aus den damaligen Städten und Gemeinden Dietfurt, Berching, Neumarkt, Schnufenhofen und Wissing. Da diese Notgeldmünzen teilweise ja nur 20 Millimeter im Durchmesser haben, werden großformatige Bilder auf denen alle Details zu sehen sind, ausgestellt.

Das Centermanagement des Neuen Marktes unter der Leitung von Matthias Auhuber stellte dem Münzverein Neumarkt dafür kostenlos einen großen Fahrbaren Schaukasten zur Verfügung, der von allen vier Seiten gut einsehbar ist.

Die meisten Vorstellungen vom Begriff Notgeld sind durch Erinnerungen oder Erzählungen geprägt, die auf die Epoche des ersten Weltkrieges und seine Folgezeit zurückgehen.

Vor 100 Jahren erreichte der Geldwertverfall der Mark im Deutschen Reich und somit auch in den Städten und Gemeinden im Landkries Neumarkt seinen Höhepunkt. Bauern, Arbeiter und Beamte wurden über Nacht Millionäre und Milliardäre, aber ihr Lohn war nichts wert. Ein Beispiel an dieser Stelle: Der Stundenlohn eines Handwerkers betrug vor dem ersten Weltkrieg 0,57 Mark, nach dem ersten Weltkrieg 1,33 Mark und am Ende der Hochinflation im Jahre 1923, 300 Milliarden Mark. Im Oktober 1923 kostete das Porto eines einfachen Briefes 80 Milliarden Mark und ein Pfund Butter sechs Billionen Mark.

Die Inflation nach dem Ende des ersten Weltkrieges stellt eines der traurigsten Kapitel der deutschen Geldgeschichte dar. Schon als 1914 der Ausbruch des Krieges drohte, stürmten Menschen panikartig die Geldinstitute, um Geld für eventuell kommende Notzeiten abzuheben. Der Niedergang, der bis dahin geltende Goldwährung begann. Die Reichsbank war nicht mehr in der Lage, Banknoten gegen Gold einzulösen.

Erst 1916, als das Nickelgeld offiziell eingezogen wurde und die staatlichen Ersatzgepräge aus Zink und Eisen nicht rasch genug zur Verfügung waren, wurden von Städten, Gemeinden etc. Notgelder ausgegeben, teils aus Metall, teils aus Papier, meist in Werten zu 5, 10, 25 und 50 Pfennig. Sicher erfüllten sie teilweise die Aufgabe des Kleingeldersatzes, aber bald stellte sich heraus, dass sie einen anderen Zweck erfüllten. Sie wurden von breiten Kreisen der Bevölkerung gesammelt. Statt in den Geldverkehr, wo sie bald nur noch ausnahmsweise benötigt wurden, wanderten sie in Sammelmappen und Alben. Die Kommunen, die sie ausgaben, nutzten dieses Phänomen bald weidlich aus. Immer neue Serien der Kleingeldscheine wurden ausgegeben, bei denen der entfachte Sammeleifer die ausgebenden Stellen ihrer Einlösungspflicht enthob. Während 1914 nur etwa 40 Orte, Bezirke und Unternehmen Notgeld ausgaben, waren es 1916-1922 über 4 000 ausgebende Stellen, die es druckten. Hinzu kamen noch etwa 1 500, die Hartnotgeld prägen ließen. Die ursprünglichen schlicht gedruckten Scheinchen wurden bald attraktiver gestaltet.

Viele bayerische Städte und Gemeinden, darunter auch das Laabertalkraftwerk Dietfurt (1923), die Stadt Berching (1917 und 1920) und Neumarkt (1921 und 1923), die Gemeinden Schnufenhofen und Wissing, die Kunstmühle Carl Zinn sowie die „Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank – Filiale Neumarkt OPf. gaben deshalb Kleingeldersatzmarken und Notgeldmünzen- und Scheine heraus, so Meyer.

Der Höhepunkt der Inflation im November 1923 wurde dann für unsere Eltern und Großeltern ein wahrer Alptraum. Die bis zu ihrem Ende hergestellten rund 10 Milliarden Banknoten erreichten einen Nennwert von 3, 877 Trillionen Mark, einer Zahl mit 18 Nullen, eine wahrhaft astronomische Ziffer, für die uns jegliche Vorstellungskraft fehlt.

Das Notgeld im Landkreis Neumarkt ist heute wieder ganz besonders für die an der Heimatgeschichte interessierten Mitglieder des Münzverein zu einem Sammelgebiet geworden, dessen Interessenkreis ständig wächst, weiß der Vorsitzende. Hier bieten sich für Freunde der Heimatkunde, der Lokal- und Heimatgeschichte, aber auch für Liebhaber kleinformatiger Druckgraphiken ein lohnenswertes Feld. Obwohl das Not- und Inflationsgeld meist primitiv gestaltet, oft nur einseitig gedruckt wurde, wird es mehr aus geldhistorischen Gründen gesammelt, oft auch nur zur Dokumentation der auf ihnen erschienen astronomischen Zahlen.

Mit dieser Ausstellung möchte der Münzverein Neumarkt an diese dunkle Zeit der Währungsgeschichte im Landkreis Neumarkt erinnern. Sie möchte insbesondere über die Ereignisse in unserer Region berichten und Notgeldmünzen und Notgeldscheine zeigen, die bei uns im Umlauf waren, so 1. Vorsitzender Andreas Meyer.

Bereits im Jahre 2003 hatte der Münzverein Neumarkt das Notgeld der Stadt Neumarkt aufgearbeitet und eine 64 Seitige Broschüre herausgegeben zum Thema: „80 Jahre Notgeld der Stadt Neumarkt,- als alle Neumarkter Millionäre waren...“. Restexemplare dieser Broschüre können hier oder beim 1. Vorsitzenden Andreas Meyer (Tel: 09181 / 6165) bestellt werden.

Diese Broschüre ist allen interessierten Lesern gewidmet, die sich für die abwechslungsreiche und interessante Historie der Geldgeschichte und des Geldwesens um Neumarkt interessieren. (nyr).

1. Vorsitzender Andreas Meyer

Fotos: Andreas Meyer

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